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Covid-19: Strategie vs. Chaos

Mai 1, 2020

Mit Pre-Mortem durch unsicheres Fahrwasser

Wir haben es schon vielfach gehört und es quillt uns irgendwie auch zu den Ohren wieder raus: Covid-19 hat Auswirkungen auf uns alle. Nach diesem Satz folgen ganz oft Aussagen wie: „wir müssen die Krise meistern“ „keiner weiß wie und wann es weiter geht“ und „die Auswirkungen sind nicht abzusehen“.

Eins ist jedoch sicher: wenn wir nicht beginnen unsere Zukunft und den Ausgang der Pandemie mitzugestalten, dann sind wir wie ein Schiff im Sturm, dass unruhig von einer Welle zur nächsten geworfen wird, ohne dass wir Einfluss nehmen können.

Gerade zu Beginn der Pandemie habe ich mich sehr ohnmächtig gefühlt und auch erstmal ein paar Tage benötigt, um die Pandemie und dessen potentiellen Auswirkungen auf mich wirken zu lassen. Ich habe mir in dieser Phase viel Zeit genommen mich damit auseinanderzusetzen und auch meinen Geist etwas ruhen lassen. Irgendwann kommt dann jedoch die Phase, die dazu führt, dass wir wieder aktiv sein wollen und in der wir unsere Zukunft wieder aktiv gestalten möchten. Um dies zu tun und nicht im Chaos zu versinken möchte ich euch die Pre-Mortem Methode vorstellen.

Pre-Mortem ist eins meiner Lieblingstools, dass ich selbst in vielfältigen Kontexten anwende, um die nächsten Schritte zu erfassen oder eine Strategie zu entwickeln. Ich glaube es kann euch gut helfen, um in dieser unsicheren Zeit einen kühlen Kopf zu bewahren. Bei dem Tool nutz ihr Extremszenarios, die im Anschluss dazu führen, dass ihr den für euch besten Weg für eure nächsten Schritte ableiten könnt. Es kann also speziell auf Covid-19 und dessen Auswirkungen bezogen werden ist jedoch auch allgemein in jedem Strategieprozess anwendbar, da aus einem Best- und Worst-Case Szenario der Weg sowie die nächsten Schritte zum Idealzustand abgeleitet werden.

Wir untergliedern den Prozess meist in 4 Schritte. Ideal wäre es, wenn ihr die Methode mit einem interdisziplinärem Team durchführt. Wenn ihr alleine gründet könntet ihr euch bspw. auch Freunde oder Kunden mit ins Boot holen, um euer Ergebnis zu optimieren.

  1. Worst Case Szenario (inkl. Steps & Meilensteine)
  2. Best Case Szenario (inkl. Steps & Meilensteine)
  3. Kopfstand
  4. Nest Steps

Das Worst-Case-Szenario:

Hier versetzt ihr euch in eine Zukunft in der ihr gescheitert seid und kreiert den Zustand. Ihr schreibt auf wie ihr euch fühlt, wie ihr lebt, was mit eurem Unternehmen oder Projekt geschehen ist.

Nachdem ihr das gemacht habt schreibt ihr hierfür die Steps auf die euch dahin geführt haben. Welche Entscheidungen habt ihr getroffen, welche Meilensteine wurden nicht erreicht, welche Kunden gewonnen oder nicht gewonnen, gibt es Menschen die euch nicht unterstützt haben? Und wenn ihr es speziell auf Covid-19 bezieht, dann nehmt ihr die Auswirkungen von Covid-19 in diese Steps mit auf. Dafür kann auch eine Umfeldanalyse helfen, um hier die richtigen Antworten zu finden. Aus diesen Schritten könnt ihr sehr gut eine Art Frühwarnsystem für euren Erfolg ableiten oder auch nochmal ein spezielles Augenmerk auf die relevanten Tasks legen.

Das Best-Case-Szenario:

Hier geht es darum die Version festzuhalten bei der ihr erfolgreich seid und eure Träume und Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Im Grunde genommen geht ihr ähnlich vor, wie bei dem Worst-Case Szenario. Ihr schreibt auf wie der Ist-Zustand ist und im Anschluss wie ihr dorthin gekommen seid. Folgende Fragen können euch dabei helfen: Gibt es Auswirkungen von Covid-19, die den Kauf eurer Lösung unterstützt haben? Habt ihr mehr Kunden erreicht, weil euer online Marketing die richtigen Leute erreicht hat? Habt ihr den einen Mitarbeiter gewonnen, welcher euch nach vorn gebracht hat? Auch hieraus könnt ihr wichtige Themen oder Schritte ableiten und für euch festhalten.

Kopfstand & Next Steps

Ihr habt nun zwei Szenarios die vermutlich vom goldenen Mittelweg sehr weit entfernt sind, die jedoch alle etwas Wahres in sich tragen. Und genau darum geht es! Ihr erkennt was wirklich für euer Projekt und eure Gründung wichtig ist und was ihr nicht unterschätzen solltet.

Nun geht es jedoch zunächst erstmal darum aus den beiden szanrios ein Idealbild zu schaffen, welches ihr erreichen könnt. Dafür Positiviert ihr die negativen Schritte und negativiert etwas die positiven Steps, die zu eurem Best- und Worst-Case-Szenario geführt haben. Dadurch kreiert ihr ein drittes Szenario, welches euren Weg durch diese Phase oder die nächsten Wochen beschreibt. Da ihr bereits die Fallstricke und notwendigkeiten für das gelingen gesammelt habt könnt ihr nun die wichtigsten davon nutzbar machen und diesem Szenario zuordnen. Im Anschluss geht es dann darum das konkrete To-Dos abzuleiten und mit einem Timing zu versehen. Damit habt ihr einen Fahrplan für die nächsten Wochen und vielleicht Monate geschaffen, der euch das navigieren in dem unruhigem Gewässer ermöglicht, sodass ihr nicht mehr nur ein Spielball der Krise seid.

Beachtet jedoch, kein Plan ist in Stein gemeißelt. Geht agil vor, passt eure Maßnahmen an, sobald ihr es für nötig haltet. Vielleicht lasst ihr eure Strategie an der Wand im Büro und könnt sogar eure Erfolge und Misserfolge dort markieren, sodass ihr daraus neue Szenarien bilden könnt.